Gold als Kapitalanlage – welche Möglichkeiten gibt es?

GoldDer Goldpreis ist seit seinem Höchststand im Herbst 2012 bis heute um fast 30% gesunken. Der ein oder andere Anleger spielt nun mit dem Gedanken, in dieses Edelmetall einzusteigen oder seinen bisherigen Bestand aufzustocken. Welche Möglichkeiten bieten sich jedoch in Gold zu investieren? Auf die unterschiedlichen Anlagemöglichkeiten möchte ich in diesem Bericht eingehen.

1. Physische Direktinvestition in Gold

Bei dem physischem Erwerb von Gold empfehlen sich Goldbarren oder Anlagemünzen.
Der Vorteil von physischem Gold ist, dass im Falle einer Finanzkatastrophe wenigsten dem Anleger das reine Gold als Notreserve übrig bleibt. Des weiteren ist diese Direktinvestition von der Mehrwert- und der Abgeltungssteuer befreit.
Ein großer Nachteil ist jedoch die relativ hohe Differenz zwischen An- und Verkaufspreis (auch Spread genannt). Bei 1-Gramm Goldbarren beträgt dieser Spread bis zu 30%. Bei 0,1 Unzen-Münzen (entspricht 3,11 Gramm) fällt der Spread mit immer noch 15% ins Gewicht. Erst ab einer Anlage in 10-Gramm Barren bzw. 0,5 Unzen-Münzen (15,55 Gramm) pendelt sich der Spread auf ca. 5 % ein. Bei einem 1.000-Gramm Barren fällt der Spread auf ca. 2,5%. Beim Kauf ist noch zu unterscheiden, ob direkt bei der Bank oder bei einem Internethändler gekauft wird. Bei Banken ist der Spread im allgemeinen höher, bei einem Internethändler fallen jedoch noch Versandkosten an. Bei der privaten Lagerung von Gold können Lagerkosten in Form einer jährlichen Gebühr für ein Bankschließfach anfallen oder die Anschaffung eines Safes hinzukommen.

1.1. Physische Direktinvestition in Goldbarren

Bei Goldbarren ist darauf zu achten, dass diese von zertifizierten Herstellern der LBMA (London Bullion Market Association) kommen. Darunter zählen beispielsweise Heraeus oder Umicore. Des weiteren sollte nur in Barren investiert werden, welche einen Feingold von 999,9 (entspricht 99,99% Goldgehalt) aufweisen. Barren, welche diesen Faktoren entsprechen, lassen sich einfacher wieder verkaufen.

1.2. Physische Direktinvestition in Goldmünzen

Hierbei empfiehlt sich eine Investition in Anlagemünzen wie beispielweise dem Krügerrand, Wiener Philharmoniker oder dem Maple Leaf. Ein Nachteil der Anlagemünzen ist jedoch, dass die gängigsten Münzen lediglich eine 1 Unze Gold aufweisen. Es gibt zwar Münzen mit einem Goldgewicht von 10 oder sogar 20 Unzen, jedoch sind die Spreads bei diesen Münzen höher. Sammlermünzen, wie beispielsweise die Deutschen „20 Euro Goldmünzen“, sollten als reine Anlagemünzen ebenfalls eher gemieden werden. Beim Kauf dieser Münzen fallen meist relativ hohe Aufschläge an, welche zuzüglich zu dem aktuellen Goldpreis bezahlt werden müssen. Bei der letzten „20 Euro Goldmünze“, welche lediglich ein Gewicht von 3,89 g (1/8 Unze) aufweist, betrug der Aufschlag 50 Euro.

2. Investition in Wertpapiere mit der Möglichkeit zur Auslieferung des Goldes

Neben dem physischen Erwerb von Gold können auch Wertpapiere erworben werden, welche die Möglichkeit der Gold-Auslieferung beinhalten.

2.1. Investition in Goldkonten mit der Möglichkeit zur Auslieferung des Goldes

Eine relativ neue Möglichkeit der Investition in diesem Rohstoff bieten Banken oder Edelmetallhändler mit sogenannten Goldkonten. Auf dem Konto zahlt der Anleger Geld ein, welches daraufhin in Gold umgerechnet wird. Bei Bedarf kann das Edelmetall in Form von Barren ausgeliefert werden. Diese Art der Konten bieten beispielsweise die Schwäbische Bank AG oder die Sparkasse Pforzheim an.
Vorteile bei der Anlage in Goldkonten sind die geringen Spreads. Die Schwäbische Bank AG verzichtet sogar darauf.
Nachteile sind die hohen Mindestumsätze. Die Sparkasse Pforzheim verlangt einen Mindestumsatz von 5.000 Euro und die Schwäbische Bank AG von 250 Gramm Gold, was bei dem aktuellen Preis über 8.000 Euro entspricht. Zusätzlich können bei einigen Banken jährliche Kontoführungsgebühren hinzukommen, welche die Gebühr eines klassischen Bankschließfaches bei weitem übertreffen. Bei Auslieferung des Goldes fallen zusätzlich noch Formkosten an.

2.2. Investition in ETC mit der Möglichkeit zur Auslieferung des Goldes

ETC (Exchange Traded Commodities) sind Wertpapiere, die das Anlegen in Rohstoffen erlauben. Genauso wie Aktien können auch diese Wertpapiere an der Börse gehandelt werden. Einige ETC’s bieten die Möglichkeit an, das Gold auch auszuliefern. Ein Beispiel hierfür sind die Anleihen Xetra-Gold. Bei dieser Anlageform ist zwangsläufig der Rohstoff bei dem Emittenten (Anbieter der Anleihe) hinterlegt.
Dass das Gold physisch bei den Emittenten hinterlegt ist, ist auch der erste Vorteil dieser Anlagemöglichkeit. Dieses physische Gold kann als Sicherheit im Fall der Insolvenz des Emittenten dienen. Die Anleger hätten somit eine Chance, einen Großteil des investierten Kapitals wiederzubekommen. Ein weiterer Vorteil sind die geringen Spreads der Wertpapiere.
Nachteile: Da das Edelmetall bei dem Emittenten physisch hinterlegt ist, fallen deshalb auch hohe Gebühren für die Lagerung und Verwaltung an. Wird die Auslieferung des Goldes in Anspruch genommen, muss sich der Anleger auf hohe Lieferkosten einstellen. Außerdem ist eine Auslieferung meist erst in hohen Mengen möglich. Zwar ist der Anleihe physisch Gold hinterlegt, aber ein Restrisiko, dass der Anleger bei Insolvenz des Emittenten Verluste macht, besteht immer noch. Ein weiterer wichtiger Faktor, welche bei allen Wertpapieren bedacht werden muss, ist, dass auf Gewinne die Abgeltungssteuer abgeführt werden muss.

3. Investition in ETC mit physisch hinterlegtem Gold jedoch ohne der Möglichkeit zur Auslieferung des Goldes

Im Gegenteil zu dem unter 2.2. vorgestelltem Wertpapier besteht bei dieser Art der Investition keine Möglichkeit zur Auslieferung des Goldes. Das Edelmetall ist bei dem Anbieter jedoch wieder physisch hinterlegt. Die Spreads und die Gebühren diese Anlagemöglichkeit sind demzufolge etwas geringer. Alle weiteren Vor- und Nachteile sind identisch zu der ETC-Klasse mit der Option zur Auslieferung des Goldes.
Das Wertpapier der Deutschen Bank „db Physical Gold ETC (EUR)“ ist beispielsweise ein Vertreter dieser Anleihenklasse.

4. Investition in ETC und Zertifikate ohne physisch hinterlegtem Gold

Bei diesen Produkten bildet der Emittent mittels komplizierte Termingeschäfte den Goldpreis nach, ohne dabei auch nur ein Gramm des Rohstoffes in seinem Besitz zu haben.
Dadurch ergibt sich der Vorteil, dass auf Lagerkosten verzichtet werden kann. Ebenso sind die Verwaltungskosten gering und die Spreads bei diesen Wertpapieren fallen sehr klein aus.
Der Nachteil ist jedoch, dass bei Insolvenz des Emittenten kein Gold als Absicherung vorhanden ist. Im schlimmsten Fall fährt der Anleger bei der Pleite des Emittenten einen Totalverlust ein.

Fazit

Wie ich in dem Bericht bisher gezeigt habe, gibt es sehr viele Möglichkeiten in Gold zu investieren. Um die richtige Anlagemöglichkeit für sich selber zu finden, sollten sich Anleger zuvor einige Fragen beantworten:
Will man für den Fall eines großen Finanzcrashs Gold als Notreserve in der Hinterhand haben? Falls ja, eignen sich hierfür die Anlage in Barren und Anlagemünzen am besten.
Soll das Edelmetall zur Beimischung im Depot dienen und die Sicherheit spielt hierbei eine große Rolle? Dann kommen eher ETC’s in Betracht, bei denen der Rohstoff physisch hinterlegt ist.
Ist man eher etwas Risikofreundlicher aufgestellt, dem es zusätzlich noch um Kostenminimierung bei der Anlageauswahl geht? Diesem Anlegertyp fahren mit ETC’s und Zertifikate ohne physisch hinterlegtem Gold am besten.

Vielleicht bringt es der folgende Satz bei der Goldinvestition auf den Punkt:
Je greifbarer das Gold für den Anleger ist, desto teurer wird die Investition.

Zum Schluss möchte ich noch auf die Studie „Transaktions- und Distributionskostenanalyse Gold“ von der Steinbeis-Hochschule Berlin aufmerksam machen. Diese Studie geht sehr detailliert auf die mit der Goldinvestition verbundenen Kosten ein.


weitere nützliche Links:


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