Anleihen als Geldanlage – eine Einführung

Deutsche StaatsanleiheAnleihen spielen als Anlageform eine besonders große Rolle. So investieren beispielsweise die meisten Banken und Versicherer den Großteil ihres Kapitals in diese Anlageform. Auch für Privatanleger können Anleihen eine sichere Investitionsmöglichkeit darstellen. Die Bedeutsamkeit dieser Wertpapiere drückt sich bereits im Handelsvolumen aus, welches – im Vergleich zu Aktien – deutlich höher ist. In diesem Beitrag will ich einen Einblick in dieses große Anlagefeld geben.

Eine Anleihe ist ein zinsbringendes Wertpapier. Bei dieser Anlageform stellt der Anleger sein Kapital einem Schuldner als Darlehen zur Verfügung. Als Gegenleistung erhält der Investor einen entsprechenden Zins. Anleihen werden aufgrund dieser Eigenschaft – der „Einkommenserzielung ohne Arbeitsleistung“ – auch als Rentenpapiere bezeichnet.

Hauptkennzahlen einer Anleihe

Die Hauptkennzahlen einer Anleihe sind der Nennwert, die Laufzeit, der Zins (Kupon), der aktuelle Kurswert und die Rendite.
Der Nennwert ist der Ausgabewert des Wertpapieres, welcher im Allgemeinen nach Ende der Laufzeit wieder zurückgezahlt wird.
Die Laufzeit ist in der Regel fest definiert. Nach Ende der Laufzeit wird die Anleihe ausbezahlt. Anleihen können in den unterschiedlichsten Laufzeiten von sehr kurz (z.B. ein Jahr) bis sehr lang (30 Jahre und länger) ausgegeben werden.
Der Zins einer Anleihe wird meistens jährlich ausgezahlt. Dieser Zins wird auch als Kupon bezeichnet.
Viele Anleihen können vor Ende der Laufzeit an einem Sekundärmarkt (Börse / Rentenmarkt) gehandelt werden. Der aktuelle Preis an diesem Markt wird als aktueller Kurswert bezeichnet.
Die Rendite einer Anleihe ergibt sich aus dem Kupon, dem aktuellen Kurswert, der Restlaufzeit und dem Nennwert der Anleihe. Da der aktuelle Kurswert einer Anleihe sich täglich ändern kann, hat dies auch Auswirkungen auf die Rendite. Hält der Anleger die Anleihe vom Ausgabezeitpunkt bis zum letzten Tag, entspricht die Rendite dem zuvor ausgewiesenem Kupon.

Bei einer klassischen Anleihe sind die Laufzeit und der Kupon vor dem Kauf festgelegt und der Nennwert wird nach Ablauf der Laufzeit wieder zurückgezahlt. Es gibt aber auch Anleihearten, bei denen die soeben beschriebenen Funktionsweisen abweichend sein können. Beispielsweise kann der Kupon an einem Inflationsindex oder an einem Zinssatz für Termingelder (z.B. EURIBOR) gebunden sein. Alternativ kann die Laufzeit auf 99 Jahre angesetzt sein und nur der Schuldner kann die Anleihe vorzeitig kündigen. Es gibt auch Anleihearten, bei denen der Nennwert über die Laufzeit hinweg – und nicht am Ende – getilgt wird. Die Vielfalt der Anleihearten gleicht hierbei einem Strauß bunter Blumen.

Hauptformen der Anleihen

Anleihen können nach Abhängigkeit vom Schuldner wie folgt unterteilt werden:
1. Öffentlicher Schuldner: Bei dieser Form der Anleihe ist der Schuldner beispielsweise ein Staat, ein Land oder eine Gemeinde. Vertreter dieser Anleiheklasse sind unter anderem Bundes- oder Staatsanleihen.
2. Unternehmen als Schuldner: Hier stellt der Investor einem Unternehmen sein Kapital zur Verfügung. Anleihen dieser Form werden Unternehmensanleihen genannt.
3. Private und öffentlich Banken: Bei der dritten Anleihen-Gruppe können von Banken sogenannte Pfandbriefe erworben werden. Hinter den Pfandbriefen steht als zusätzliche Sicherheit eine Deckungsmasse. Diese Deckungsmasse können beispielsweise Grundstücke, Immobilien und Kredite, aber auch Schiffe und Flugzeuge sein.

Risiko einer Anleihe

Auf Anleihen zahlt der Schuldner einen Kupon. Dieser Zins setzt sich im Allgemeinen aus zwei Faktoren zusammen. Der erste Faktor ist der risikolose Marktzins. Dieser Zinssatz entspricht der Rendite, welche am Markt ohne jegliches Verlustrisiko auf ein Investment erzielt werden kann. Mit dem zweiten Faktor soll das Risiko der Investition in die Anleihe abgegolten werden. Dieser Renditezuschlag wird auch als Spread bezeichnet. Es sind die folgenden Risiken einer Anlage zu beachten:

Ausfallrisiko einer Anleihe – Dieses Risiko beinhaltet die Gefahr, dass ein Schuldner aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten die zuvor vereinbarten Anleihe-Bedingungen nicht oder nur noch teilweise bedienen kann. Das Ausfallrisiko einer Anleihe kann mit Hilfe der Bonität des Emittenten bestimmt werden. Hierbei gilt: Je besser die Bonität des Schuldners, desto geringer das Ausfallrisiko und somit niedriger der Kupon. Ratingagenturen, wie beispielsweise Standard & Poor’s, Fitch und Moody’s, bewerten unter anderem die Bonität von Staaten, Banken und Unternehmen regelmäßig.

Zinsänderungsrisiko – Bei der Ausgabe einer Anleihe richtet sich die Höhe des Kupons unter anderem nach dem aktuellen Zinsniveau. Wenn sich Zinsen während der Laufzeit ändern, hat dies Auswirkung auf den Kurswert der Anleihe. Ein Anstieg des Marktzinses hat beispielsweise negative Auswirkung auf den Kurswert am Sekundärmarkt. Bei diesem Marktumfeld können höhere Renditen erwirtschaftet werden, wie mit eine Anleihe, welche in einem Marktumfeld niedrigere Zinsen ausgegeben wurden.

Währungsrisiko – Mit diesem Risiko muss ein Anleger rechnen, wenn dieser in Anleihen investiert, bei denen der Nennwert und / oder der Kupon nicht die eigene Währung darstellt.

Liquiditätsrisiko – Investoren, die mit dem Gedanken spielen Anleihen vor Ablauf der Laufzeit am Sekundärmarkt zu verkaufen, müssen darauf achten, dass diese Anleihen auch Abnehmer finden. Falls keine oder nur eine geringe Nachfrage vorhanden ist, besteht das Risiko, dass die Anleihe nur unter großen Verlusten verkauft werden kann.

Inflationsrisiko – Dieses Risiko beschreibt, dass bei einem Anstieg der Inflation sich der reale Wert des Kupons und der Rückzahlung der Anleihe verringern.

Investitionsmöglichkeiten in Anleihen

Generell können Anleihen einzeln über die Börse gehandelt werden. Anleger sollten aber auf eine hinreichende Streuung der Investition achten, um die oben beschriebenen Risiken zu minimieren. Hierbei kann der Stufenplan als Investitionshilfe von Nutzen sein.
Es bestehen aber auch die Möglichkeiten, mittels ETFs in Rentenindizes zu investieren. Rentenindizes können beispielsweise eine bestimmte Gruppe von nationalen oder internationalen Anleihearten wiederspiegeln.
Einer der bekanntesten deutschen Rentenindizes ist der REX. Dieser gibt die Wertentwicklung Deutscher Bundesanleihen wieder. Den Index gibt es als reinen Preisindex oder als Performanceindex. Bei der letzten Variante berechnet der Index die Wiederanlage des Kupons der Anleihen mit ein. Das Pendant zum REX für Deutsche Bundesanleihen ist der PEX für deutsche Pfandbriefe.
Von eb.rexx gibt es ebenfalls Rentenindizes zu Deutschen Staatsanleihen und Pfandbriefen. Diese Indizes spiegeln jedoch tatsächlich gehandelte Anleihen wieder.
Markit stellt durch die Indexfamilie iBoxx ebenfalls zahlreiche Anleihenindizes für Staatsanleihen, Pfandbriefe und Unternehmensanleihen zur Verfügung.

Das folgende Diagramm gibt eine Übersicht der Performance einiger Rentenindices ab dem Jahr 2000 wieder.

 
Abschließend sind in der folgenden Tabelle einige ETFs samt ihrer Vergleichsindizes aufgelistet.

ETFInhalt des ETFsVergleichsindex
iShares eb.rexx Government Germany (DE)DE0006289465Staatsanleihen DeutschlandREX-PERFORMANCE INDEXDE0008469115
db x-trackers iBoxx EUR Sovereigns Eurozone TR Index ETFLU0290355717Staatsanleihen EurozoneMarkit iBoxx € EurozoneDE0009681759
db x-trackers iBoxx EUR Germany Covered TR Index ETFLU0321463506Pfandbriefe DeutschlandMarkit iBoxx € Germany CoveredDE0006168677
iShares Markit iBoxx Euro Corporate BondDE0002511243 Unternehmensanleihen WeltMarkit iBoxx € Liquid CorporatesDE0007200321

2 Gedanken zu “Anleihen als Geldanlage – eine Einführung

  1. Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich habe mich ebenfalls intensiv mit dieser Thematik, vor allem jedoch mit dem Anleihenmarkt, beschäftig. Dazu kann ich nur sagen, dass dieser in der Regel stark unterschätzt wird. Viele Menschen sind sich über die immense Bedeutung von Anleihen nicht bewusst. Im Hintergrund stellt der Anleihenmarkt die Hauptfinanzierungsquelle für Unternehmungen dar. Zeitgleich ist er der größte Markt der Geldanlage. Das Anlagevolumen welches im globalen Anleihenmarkt steckt, übertrifft das Welt-BIP bei weitem. Anleihen stellen sicherlich eine interessante Möglichkeit zur Geldanlage dar, man darf hierbei jedoch nicht auf die zwei Hauptrisiken vergessen. Dem Zinsrisiko, welches gerade in der aktuellen Zeit immer aktueller wird, sowie dem Emittentenrisiko. Dieses Risiko wird in der Regel vollkommen unterschätzt. Wenn man zukünftig vor einem Anleihenkauf vor allem auf dem Emittenten achtet und nicht von der Gier nach Verzinsung sich beeinflussen lässt, stellen auch sicherlich zukünftig eine gute Art zur Geldanlage dar.

  2. Ein sehr informativer Artikel mit ganz wichtigen Informationen und Erklärungen. Inbesondere für diejenigen, die sich vielleicht jetzt erst mit dem Thema auseinander setzen, sind die einzelnen Begriffserklärungen eine große Hilfe.

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